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Abenteuer Krankenhaus,

vom 25.08.03 bis 28.08.03 wurde ich ins Eberswalder Werner-Forßmann-Krankenhaus eingeliefert. Dort musste ich am Unterleib operiert werden ("Varikozele, links"). Im folgenden Tagebuch habe ich mal meine Gedanken zu diesem ersten stationären Krankenhausaufenthalt festgehalten... (a)


 TAG 1 – Einweisung

Gut dass ich doch nicht Gerichtsmedizin studiere: Nachdem ich die Schwester – während sie beim Blutabnehmen noch meinte "Ui, da ist aber Druck hinter!" – mit Blut besudelte, wurde mir ganz schummerig.
Beherzt nahm sie mich bei der Hand, ab ins Bett, dann schön die Beinlehne hoch und schwups war ich wieder bei Sinnen.

Warum habe ich eigentlich was zum Lesen mitgenommen? Die "Aufklärungszettel" haben's nämlich in sich. Naja wenigstens weiß ich jetzt, dass ich bei Blutarmut 'nen Blutpatch bekomme...

Lecker! Bohneneintopf.

Eben war ich bei der Anästhesistin – die Mutter von Lucy – die ist vielleicht neugierig.

Überraschung, Es ist (mom) 15:41:32 und ich darf nix mehr essen. Aber trinken: 1L Kirschsaft und 2L "Delcoprep". Auf deutsch heißt das: "Lösung zur orthograden Darmspülung" oder wie Bettnachbar Sasse meinte: "Ho, da reservier dir schon mal ein Klo" oder "Mann, da bist du die halbe Nacht beschäftigt" und "Zieh dir 'ne Hose an, die du schnell runterziehen kannst".
Da bin ich mal gespannt – in 2h geht's los...

Mann, das schmeckt wie Spülmittel.

3L später. Puh geschafft! Inzwischen ist mein "Kot" klar wie Kloßbrühe, der Gang zur Toilette reine Routine. Und es hatte auch was von "großem Kino" – wenn man nämlich Kirschsaft mit Delcoprep mischt, sieht das aus wie das Blut im Heroin bei Pulp Fiction.

Schön! Jetzt kann ich den anderen auch noch beim genüsslichen Verzerr herzhafter Kost zuschauen...

 Nacht

Allgemeine Leere erfüllte mich.

 TAG 2 – Operation

Ich freu mich schon auf die Tabletten, dann darf ich endlich was trinken. Hoffentlich gibt es heute Abend etwas zum essen – so langsam bekomme ich nämlich den Unterschied zwischen Hunger und Appetit mit.

Eben wurde ich rasiert! Zum Glück nur der Bauch – das bezieht sich auch darauf, dass ich den bei der Visite Anwesenden (1 Ärztin, 2 Ärzte, Oberschwester Brunhilde) unerwartet nur diesen präsentieren musste.

Toll! Jetzt durfte ich mein Armband abnehmen. Wenn das mal kein Glück bringt...
Und die Stützstrümpfe stehen mir auch nicht.

Die Schlaftablette bringt's ja total. *hüstel*

Na gut, hat's anscheinend doch gebracht. Jedenfalls war es im Aufwach-Raum ziemlich gruselig. Man selbst wie auf Drogen in einem guten Dutzend Patienten an lebensüberwachendem Gerät – sah aus wie ein militärisches Testlabor.

Physisch geht's mir bescheiden. Mein Bauch, der bei der OP mit Gas aufgeblasen wurde, fühlt sich an wie 10³ Situps. Und Schlucken kann ich auch nicht richtig, weil der Hals ganz heiser von der Narkose ist.
Psychisch bin ich besser drauf, denn erstens darf ich wieder trinken und essen, zweitens ist mein Armband wieder am rechten Platz und drittens höre ich gleich TOMTE, wenn im TV nix läuft.

Achso und meine Eltern haben mich besucht. Sie hatten nicht viel von mir, weil ich noch leicht benommen war. Aber ich von ihnen: Eine Packung KitKat, Säfte und 'ne Telefonkarte.

 Nacht

Diese Nacht habe ich kaum ein Auge zubekommen. Mein Magen meinte es nicht so gut mit mir und so musste ich mehrmals erfolglos auf die Toilette – Aufstehen geht ja noch, aber sich wieder ins Bett zu hieven, fühlt sich an als hätte sich ein Pitbull am Bauch festgebissen.
Besonders praktisch war auch die Kanüle für den Tropf a linken Arm, so dass ich mich nicht einmal mit diesem hochziehen konnte...

 TAG 3 – Der Tag danach

Heute ist Sasse dran – ich drück ihm ganz feste die Daumen.

Bei der Visite war heute noch ein weiterer Arzt dabei – der war vielleicht komisch. Als ich die Decke nicht von allein zurückzog, nachdem ich wieder den Bauch zeigen sollte, geschah es – mütterlich deckte er mich wieder zu, aber mit einer solchen Kälte, als hätte er genauso gut ein Skalpell in mein Bein gesteckt, nur um es kurz abzulegen.

Die Schwestern werden auch immer ruppiger. Ich dachte schon, Schwester Brunhilde reißt mir gleich den ganzen Bauchnabel mit raus als sie die Pflaster wechselte.

Eine erfreuliche Nachricht: ich werde bereits morgen früh entlassen – das ist gut, dann verpasse ich die MTV Video Awards nicht.

Hab' mir mal ein kurzes Nickerchen erlaubt. Jetzt bin ich aber wieder hellwach, mir wurde nämlich grad die besagte Kanüle entfernt – ganz schöner Kawenzmann, gute 5 bis 6 cm.

Wo ich gerade TOMTE höre, fänd ich ich's ganz witzig, mal meine Aktivbox rauszuholen und "Ich bin bereit, gib' mir Korn & Sprite" anzuspielen, wenn das Mittag kommt.

Blasen die einem den Bauch mit Gas auf...!?

Der Zacherl immer mit seinen Weißheiten: "Der schwarze Pfeffer hat mehr Bums."

Von wegen kein Abendbrot! Bloß weil ich das Mittagsgeschirr nicht weggebracht habe.

Schöne Scheiße, jetzt tut mit der Bauch weh, weil die überraschende Anzahl von Freunden sich nicht verkneifen konnte, allgemein Scherze zu reißen. Aber ich glaube, ich habe den Schmerz gut versteckt. (Indianer kennen keinen Schmerz!)

Hah! Doch gib's Abendbrot – und zwar mit wohltemperiertem (da abgekühlten) Tee.

Die Schwester hält sich wohl für besonders sexy. Ok sie hat 'nen netten Hintern, aber das Gesicht und die kratzige Raucherstimme... Brunhilde "Gnadenlos" ist mir da sympathischer.

Wieso holt eigentlich keiner mein "Hodentablett" ab? – nicht dass nachher noch einer meint, ich hätte heute auch noch kühlen sollen :-\

Ich freue mich schon auf eine Dusche oder so. Weiß gar nicht, warum ich vom bloßen Herumliegen so transpiriere – peinlich.

Schönes Ding! Neuen Ohrwurm (Pelzig – Nothing's Gone) und keine Gitarre zur Hand. Na da werden sich die Nachbarn morgen aber freu'n...

Blöde Kunstblumen – ohne Vergänglichkeit ist nix schön! Außerdem locken die künstlichen Farne nur Zecken an.

Ich höre lieber auf zu schreiben, sonst laufe ich noch Gefahr, beim leichtesten Aufstoßen vor Schmerz ohnmächtig zu werden.

 Nacht

War definitiv die schlimmste. Zwar bin ich diesmal nicht so oft aus dem und in das Bett gehüpft, weil ich es besser wusste, jedoch schmerzte es schon arg.
Das Stereo-Schnarch-Konzert (warum musste ich auch in der Mitte liegen?) tat sein übriges...

 TAG 4 – Entlassung

Weiß gar nicht, ob ich mich freuen kann. Ich frag mal die Visite, ob das normal ist, dass der Schmerz nach der OP mit der Zeit zunimmt.

Schwester "Möchte-gern-sexy" wurde heute morgen von Schwester "Tollpatsch" getoppt. Besagte zertrümmerte mir nämlich die Telefonkarte. Verschwörung? Vielleicht will man mich ohne großes Aufsehen beiseite schaffen (zusammenschießen, wie man früher sagte), denn der gemessene Puls von knapp über 50 belegt ja schon fast den Scheintod.

Die Reinigungskraft hat beim Abwischen des Fernsehers mit dem Wischmop (!) das Front-Panel freigelegt. Die empfindlichen Kontakte sind jetzt hilflos dem Staub ausgeliefert. Mal sehen, ob ich dem nachher Abhilfe schaffen kann...

O-ha, der Frühstücksbausatz ist eingetroffen. Diesmal ist er besonders üppig – Abschiedsgeste oder Bekräftigung meiner Verschwörungstheorie? Ich warte mal die Visite ab, Hunger (Appetit) habe ich eh keinen.

Wusste ich's doch: Bohnenkaffee! Dann doch lieber 'ne Thrombose-Spritze...

So, die Panelklappe ist wieder arretiert.

Gleich geht's los. Die Telefonkarte ist auch wieder heile, Pfand und Restguthaben in sicheren Händen.

Das war ja klar. Heute hätte es Kaiserschmarn mit Apfelmus und Vanillesoße gegeben, dafür gab's ein leckeres und v.a. gesundes Müsli zum Frühstück. Pah! Wer braucht schon Kaiserschmarn? Verdammt!

Achso, der nette Arzt von der Visite meinte, dass die Narkose nachwirkend so einiges lahm legt – den Darmtrakt folglich auch.

So, daheim :)

Was macht ihr bei schlechtem wetter?
im bett bleiben
lesen
in die badewanne gehen
fernseh gucken
mit freunden in ner warmen ecke sitzen
musik hören
mit freund/in romatische stunden verbringen