film|kritiken

Unsere Meinung wird euch noch lieb und teuer sein.
Denn als Kinosüchtige werden wir in dieser Rubrik
gnadenlos unsere Gedanken zu aktuellen, aber auch
alten Filmen, veröffentlichen.




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Funny Games (A, 1997)


OT: Funny Games
Regie: Michael Haneke
Hauptdarsteller:
Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering

FSK 18, 105 Minuten


"Funny Games" ist ein Film, der schockieren will und dies auch durchaus tut. Eine wohlhabende Familie, bestehend aus Mutter, Vater und Sohn, macht Urlaub im eigenen idyllischen Haus am See. Während sie von den Nachbarn begrüßt werden, stellt sich auch ein ihnen unbekannter junger Mann namens Paul vor, anscheinend ein Freund der Nachbarn. Gerade als die Mutter Anna ihre Sachen im Haus auspacken möchte, taucht plötzlich ein weiterer junger Mann mit dem Namen Peter auf. Dieser ist außergewöhnlich schüchtern und bittet um ein paar Eier für die Nachbarn. Er bekommt die Eier zwar, lässt sie aber aus Versehen fallen und fragt nach weiteren. Währenddessen taucht sein Freund Paul im Haus auf. Entgegen Annas Bitten verlassen die beiden das Haus nicht. Selbst als der Vater Georg und ihr gemeinsamer Sohn Schorschi ins Haus kommen, gehen Peter und Paul den Bitten nicht nach. Ganz im Gegenteil, sie bleiben länger...
Schlagartig wird die Idylle durch sadistische Brutalität zerstört. Peter und Paul zeigen sich zwar als freundliche Menschen, verkörpern aber das Böse. Sie schließen mit der Familie eine Wette ab: Sie wetten, dass die Familie in zwölf Stunden nicht mehr leben wird. Anna, Georg und Schorschi müssen dagegen wetten. Daraufhin denken sich die Beiden diverse perverse Spiele aus, entsprechend dem Filmtitel.
Die Härte des Filmes kann man zwar nicht subtil nennen, da einige grausame Szenen zu sehen sind; die härtesten Bilder entstehen allerdings im Kopf des Zuschauers. Bis auf eine Stelle ist die Kamera niemals bei diesen Szenen dabei.
Der Film bietet eine beklemmende Atmosphäre, die zum einen auf das Fehlen von Hintergrundmusik zurückzuführen ist - lediglich im Vorspann wird Musik gespielt. Die Geschichte spielt sich weitgehend in Echtzeit ab. Es gibt zum Beispiel eine zehnminütige Szene, in der überhaupt nichts geschieht, was trotz der Länge nachvollziehbar ist und das Gefühl einer gewissen Realität vermittelt.
Ein besonders überraschendes stilistisches Mittel wird ab und zu im Film präsentiert: Paul spricht die Zuschauer direkt an. Zum Beispiel sagt Anna in einer Szene zu Paul: "Das ist genug." Paul sieht daraufhin in die Kamera und antwortet: "Ist das wirklich genug? Wir sind noch unter Spielfilmlänge." (dieser Satz fällt übrigens genau nach 90 Minuten Film). Der Zuschauer wird nicht als Voyeur dargestellt, der alles überblickt. Man wird Teil der Geschichte und bekommt ein schlechtes Gewissen. Auch das Ende ist eine wahre Überraschung, wofür es sich schon lohnt, den Film zu sehen. Leider hinterlässt er keinen so üblen Nachgeschmack wie manch anderer Film. Nachdem man "Funny Games" gesehen hat, hakt man ihn ab ohne darüber nachzudenken. Das macht ihn nicht sonderlich schlecht, aber ein Meisterwerk ist es auch nicht geworden. Trotzdem bleibt "Funny Games" ein guter Film, der seinen Zweck erfüllt.
Bemerkenswert ist noch eine Aussage des Regisseurs Michael Haneke. Er meinte, wer den Film im Kino sieht und während der Vorstellung den Saal verlässt, der hat die Botschaft des Films verstanden. (t)


Bilder sind Eigentum und ©,®,™ des jeweiligen Studios.


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